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Literatur im Schaukasten
Norbert Galler
Gedichte
Die Hoffnung
Die Hoffnung am Boden liegt Der eiserne Wille besiegt Das Schlachtfeld ein Trümmerhaufen Über blutende Tote laufen
Der Sonne entgegen rennen Die Augen im Schweiß verbrennen Der Horizont nähert sicht nicht, Und bald erlischt auch das Licht.
Verweste Gedanken modern, Wo Menschen in Flammen lodern. Ich wünsch mir das Paradies, Doch finden kann ich nur dies.
Ich werde auch nicht mehr gescheiter. So krieche ich dann einfach weiter Zerschunden am Felsen dahin, Nichtwissend, wo ich denn bin.
Ich spüre die Wahrheit weit weg, Ich fühl einen einsamen Steg, Den ich nun im Dunkeln betrete, Ich falle, ich knie, ich bete. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Ins kalte Wasser springen Alte Lieder singen Untertauchen und gleiten Nichts Grundloses vorbereiten
Schwimmen, leben und sinken Kristallkaltes Wasser trinken Die Hölle weit hinter sich lassen Andre Gedanken fassen
An Land gehn und weiterhin suchen Und wieder vor Verzweiflung fluchen Und wieder zu Boden falln Und wieder auf Steine knalln
Ich richte mich wieder auf, Beginn einen neuen Lauf. Ich stoße auf alles, das war, Als das Hirn auch das Denken gebar.
Ich finde die Hoffnung dort stehn. Ich sehe mich laut zu ihr flehn, Zu bleiben so wie sie jetzt ist. Ich hab dich zu lange vermisst!
Das ist das Musikspiel der Toten, Doch ich spiele andere Noten!, So spricht die Hoffnung verletzt, Du weißt ja Ich sterbe zuletzt!
Warte
Warte
einen kurzen Augenblick, dann kann ich dir sagen, wie es mir geht. Willst du es wirklich wissen, dann hast du Geduld. Sanft spüre ich die Zeit um meine Gedanken kreisen, von Regen benetzt wie die Tränen in meinen Augen. Sie fließen, sie sind fast zu frei, um mir zu gehören und dennoch
dennoch gehören sie zu mir, so wie scheinbar zu dieser Welt, dieser Welt der Gedanken, von der ich nichts weiß. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin die Worte eines großen Dichters kommen mir in den Sinn. Aber nein, ich weiß es nicht, ob ich traurig bin. Warte, nur noch kurz. Vielleicht kann ich dir dann sagen, wie es mir geht. Vielleicht blühen inzwischen die Blumen. Ich sehe sie so deutlich vor mir, mit verschlossenen Augen, so wie das Bild meiner Großmutter, die lächelt und mir sagt, alles ist gut. Und sie ist traurig, ich weiß es, aber ich weiß nicht, wie es mir geht. Warte, warte, geh nicht weg, ich will es dir ja sagen. Ich mache mir keinen Spaß mit dir, ich will dich nicht hinhalten. Ich will nur versuchen, ehrlich zu sein. Zu dir und zu mir. Keine Eile, ich hoffe, auch du hast Zeit, ich hoffe, ich bin dir wichtig genug. Es tut mir leid, ich will dir nicht das Gegenteil unterstellen. Auch tut es mir leid abzuschweifen ich wollte ja überlegen, wie es mir geht
warte, noch einen kurzen Augenblick
Worauf wartet mein Kopf, meine Stimme? Warum geht es nicht? Warum sagt mir niemand, was das ist? Ich verstehe nicht. Siehst du meine Tränen? Siehst du sie? Verstehst du sie? Nein, ich will sie dir nicht zeigen. Auch sie gehören zu mir, auch sie kamen einfach so. Ohne zu fragen. Aber warum schickten sie die Gedanken fort? Wohin? Warum vermisse ich sie nicht und muss trotzdem weinen? Es liegt wohl an der Zeit. Ich hoffe, du hast heute genug! Warte, bitte, ich bitte dich darum, mir die Zeit zu geben. Doch wohin führt das? Ich kann dich das nicht fragen. Du würdest wieder glauben, ich scherze. Doch ich weiß es wirklich nicht. Die Brise, der Wind, der weht, es fühlt sich so frei an, so leicht. Und dennoch liegt etwas auf mir, auf meinem Herzen. Etwas Ungewohntes? Etwas, das ich nicht kenne? Ich kannte doch schon alles, oder etwa nicht? Ich bin mir so unsicher, deshalb kann ich dir nicht sagen, wie es mir geht. Ich kann es nicht, weil ich es einfach nicht weiß, oder dieses es einfach nicht existiert. Es geht mir vielleicht gar nicht. Ich bin nur, ich atme und sitze und rede mit dir in der Hoffnung, etwas Vernünftiges sagen zu können, zum Beispiel, wie es mir geht. Doch ich kann es nicht. Du musst nicht länger warten, es war lange genug und ich danke dir dafür. Danke für die Zeit, du kannst jetzt gehen, wenn du willst. Du musst natürlich nicht, ich will dich nicht drängen. Ich werde jedenfalls hier sitzen bleiben, wenn es dich nicht stört. Ich brauche noch etwas. Ich muss mich erst wieder fassen, wieder in die Welt zurück kommen. Wo bin ich? Was ist das für eine Musik? Ich liebe Musik. Aber diese Musik? Sie ist mein Leben, ich höre es ganz genau, aber ich kenne sie nicht? Sie tut so gut, aber ich verstehe sie nicht, woher kommt sie? Geheimnisvoll und leise, und fruchtig, frisch, wie die Weintraube hier, hell wie das Licht, das auf sie fällt. Ich liebe sie.
Des Kopfes Schreien
Die Bilder sind verschwunden; Sind wohl die Welt erkunden. Wo können sie so spät noch sein? Hörn sie nicht des Kopfes Schrein?
Es bleiben Löcher, wo sie waren, Licht scheint nur, wo sie verharren. Die dunkle Trübe still gefüllt, Mit losen Worten blind enthüllt.
Das Ausmaß ist unendlich groß, Ein Universum grenzenlos. Undicht wurde es ja schon, Als sie da starb die Dimension.
Nicht mehr ists möglich, klar zu denken, Kann kaum mehr meinen Willen lenken. Ich fühl mich tot, wenn ich nichts sehe, Ich höre, was ich nicht verstehe.
Doch der Klang belebt mein Sein. Er überdeckt des Kopfes Schrein Nach passenden Bildern zu den Tönen, Die Vorstellung will mich verhöhnen.
Abgestandnes Wasserglas Mit mir gelöst als nasses Aas, Zu alt, zu jung und ohne Plan Ergebe ich mich diesem Wahn.
Wohl warte ich ein Leben lang, Bilder zu finden, an denen ich hang. Es ist ein kleines Elexier, Dass ich nicht gehe, nicht erfrier.
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